Schweig still: Mouna & Vipassana

In den 90ern gab es im Internet die ersten animierten Filmchen. Darunter war ein Pinguin, der einen durchdringend anschaute und eine sehr klare Aussage traf (siehe unten). Im Yoga drückt man sich da etwas freundlicher aus: Mouna.

Schweigen ist pures Gold!

Mouna oder Mauna bedeutet Schweigen, Kashtha Mauna ist noch schwieriger: Es ist das Schweigen ohne überhaupt zu kommunizieren, also auch ohne Mimik und Gestik. Das ist auch in der Vipassana-Meditation so: Ich habe es über den Jahreswechsel zehn Tage ausprobiert. Wobei ich zugeben muss, dass ich doch sicherlich immer mal wieder den Blickkontakt gesucht habe. Trotzdem war es eine sehr interessante Erfahrung und die Stille einfach göttlich! Ich hoffe, ich werde das bald wiederholen können.

Nur sagen, was wahr, gut und notwendig ist

Dann merkt man nämlich mal, was man so den ganzen Tages von sich gibt und wie wenig Neues man eigentlich zusagen hat! Auf etwa 90 Prozent kann man locker verzichten! Alles was wir anderen und uns selbst erzählen, ist immer nur eine Geschichte, wie wir es gern hätten. Unsere Gedanken, Gefühle, Erinnerungen sind alle Hausgemachte, der Geist gaukelt uns etwas vor. Wer schweigt, lügt nicht. So kann man bei jedem Hörensagen, also Klatsch und Tratsch einfach nicht mitmachen. Denn sie verfestigen Vorurteile, tragen zu Sorgen und Ängsten bei. Facebook und die sozialen Netzwerke tragen noch zusätzlich dazu bei. Wozu soll das gut sein? Dazu erinnern wir uns an die drei Siebe des Sokrates:

  1. Ist es wahr?
  2. Ist es wohlwollend?
  3. Ist es notwendig/notwendend?

Schweig still: Mouna & Vipassana

Mouna eine Meditation der inneren Stille, also bewusstes Schweigen: Man kann Mouna täglich für ein oder zwei Stunden praktizieren, pro Woche für eine längere Zeit oder monatlich einen ganzen Tag. Das ist eine Technik, die man für sich selbst überall und im Alltag üben kann. Man muss dabei durchgängig und bewusst schweigen. Das führt zu Klarheit, neuer Energie und innere und äußere Kontrolle. Bei Vipassana geht man zur Einführung, als neuer Schüler, für zehn Tage in ein Schweige-Retreat. Ich habe mich eine ganze Weile darauf vorbereitet, um körperlich und nervlich fit zu sein: Mein Rücken ist stabil und ich habe seit etwa zwei Jahren keine Migräne mehr. Das Leben ist schön! Und erst jetzt kann ich tiefer in die Technik eintauchen: Also habe ich mich angemeldet, um endlich die Stille genießen zu können. Naja, denkste Puppe! Sitzt man gerade im Meditationssitz – täglich mindestens sechs Stunden – in der Meditationshalle oder im Zimmer, gehen die die Gedanken ab wie Schmitz´ Katze! Man lernt sich erst auf den Atem und die Region um die Nase zu konzentrieren, Pratyahara, geht dann in die eigentliche Vipassana-Meditation.

Vipassana – eine Offenbarung

Auch bei Vipassana soll man zurück im Alltag täglich morgens und abends eine Stunde in edler Stille reglos sitzen. Der Kerngedanke ist aus dem Buddhismus, dass alles entsteht und vergeht: Jedes Gefühl, jeder Gedanke und jeder Schmerz. Und wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es nicht glauben, aber so ist es. Alles vergeht, auch die größten Herausforderungen und heftigsten Gefühle, wie beispielsweise Wut und Trauer. Da man ja in diesen zehn Tagen das alles mit sich ausmachen soll, bleiben einem nur die Vorträge am Abend und, wenn nötig, mal ein Gespräch mit einem der anwesenden Lehrer*innen. Und das ist auch das Herzstück, das zu-sich-Kommen und nicht schon wieder darüber reden. Es aushalten, beobachten und es gehen lassen. Ich würde mal behaupten, nach 27 Jahren hat sich für mich endlich die Tiefe und Weite von Meditation offenbart. Magisch!

Aufforderung & Warnhinweis

Es liegt unglaublich viel Potenzial in Meditation. Jeder sollte sich auf den Weg machen und eine Technik erlernen. Das kann ein Achtsamkeitstraining sein, Gehmeditation oder eben auch Vipassana. Das ist für jeden unterschiedlich erfahrbar. Für die zehnt Tage Vipassana muss man aber geerdet und gefestigt im Leben sein, eine Basis haben. Man muss sich mit sich selbst schon auseinandergesetzt haben, um sich selbst so lange in Stille (wilde Gedanken!) auszuhalten. Manchen Leuten macht das gar nicht aus, andere würden durchdrehen. TIPP: Bevor man sich „mal eben“ zu Vipassana anmeldet, sollte man schon mal ein paar Tage in Schweigen mit anderen Menschen verbracht haben. Vielleicht im Rahmen einer Yoga-Veranstaltung oder eines anderen Retreats. Man sollte auch unbedingt mögliche Traumata und Verletzungen behandelt haben. Dann ist es eine großartige Möglichkeit, sich selbst zu erkennen. Ich war sehr beeindruckt, was da alles hochkam.

Annette Bauer

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