“99 Mind Hacks” von Timon Krause
Timon Krause hat Philosophie studiert, Zauberei und Hypnose erlernt und wurde 2016 als bester Mentalist Europas ausgezeichnet – eine ungewöhnliche Kombination. Entsprechend interessant sind auch seine Buchtitel. In “99 Mind Hacks” wendet er seinen Blick nun auf den Alltag: Wie kannst du nervige Gewohnheiten, hartnäckige Gedankenspiralen oder plötzliche Panik als Mechanismen erkennen, die, wenn du sie erst einmal verstehst, auch gezielt beeinflussen kannst?
Die 99 Hacks sind in Themenbereiche gegliedert: Schlaf und Erholung, Gewohnheiten, Konzentration, Motivation, soziale Wirkung, Emotionsregulation. Man muss das Buch also nicht von vorne nach hinten lesen, sondern greift genau dort rein, wo es gerade brennt. Ich hab den ersten Hack zu “Handysucht” umgesetzt und mächtig gestaunt! Die Hacks lassen sich in 5 Minuten zügig lesen und der dazugehörige Hack in etwa einer Minute anwenden: kein langer Anlauf, kein Programm, nur ein kleiner Hebel, der etwas in Bewegung bringen könnte. Das Besonderee: Krause erklärt zwar die Hintergründe, das anwenden lässt aber spüren, dass es funktioniert. Ganz prima!
Für wen geeignet: Für alle, die lieber mit kleinen Schritten anfangen als mit großen Versprechen!
“Wer wärst du ohne deine Sorgen?”von Martin Wehrle
Martin Wehrle nennt sich selbst einen ehemaligen Weltmeister im Sorgenmachen. Als Lebens- und Karrierecoach hat er 25 Jahre lang Erfahrungen gesammelt, wie sich ein Kopf anfühlt, der einfach nicht zur Ruhe kommt. In “Wer wärst du ohne deine Sorgen?” stellt er die provokante Idee vor, dass du deine Sorgen loslassen kannst, wenn du aufhören würdest, sie zu verdrängen. So einfach?
Das Buch unterscheidet zwischen Sorge, Angst und Grübelei – das ist feiner beobachtet, als man es in vielen Ratgebern findet – und schlägt vor, dass jede dieser Formen eine eigene Logik mitbringt, die man erst verstehen soll, bevor man sie loslassen kann. Wehrle arbeitet mit Coaching-Übungen, die auf der Positiven Psychologie aufbauen. Es geht nicht darum, Gedanken zu stoppen, als ihnen anders zu begegnen. Das Paradoxe, das er dabei herausarbeitet, könnte überraschen: Sorgen verlieren ihre Macht oft genau dann, wenn wir aufhören, sie zu bekämpfen. Mit 384 Seiten ist das kein schmales Buch, der Einstieg braucht Geduld. Wenn du aber dabeibleibst, ist das Buch mehr wie ein echtes Gespräch mit jemandem, der versteht, wie sich das Grübeln anfühlt.
Für wen geeignet: Für alle, bei denen Grübeln zu viel Raum einnimmt – und das verstehen und ändern möchten.
“Mein Gehirn, das Denken & ich” von Jens Foell
Wer steckt eigentlich dahinter, wenn wir uns an völligen Unsinn erinnern, aber den Namen der Nachbarin nach dreißig Jahren vergessen haben? Dr. Jens Foell ist promovierter Neuropsychologe und stellt in “Mein Gehirn, das Denken und ich” genau diese Art von Fragen. Seine Kernidee: Das Gehirn sei keine Wahrheitsmaschine, sondern filtere, ergänze, verdränge und interpretiere – und verkaufe uns das Ergebnis trotzdem als unumstößliche Realität. Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst!
Foell beherrscht die Kunst, komplizierte Dinge verständlich zu machen – und das auch noch mit gutem Humor: Er erklärt, warum Schlaf ein nächtliches Reinigungsprogramm für das Gehirn ist, das Konzept des IQ in der Forschung deutlich überschätzt wird und, dass sich Verzweiflung zwar manchmal fest verdrahtet anfühle, es aber wissenschaftlich fundierte Wege geben könnte, zu neuen Perspektive zu gelangen. Das hört sich für mich sehr yogisch-logisch an!
Für wen geeignet: Für dich, wenn du deinem eigenen Kopf schon einmal nicht ganz getraut hast – und verstehen möchtest, warum das eigentlich ziemlich klug von dir war!
“Das achtsame Herz” von Jack Kornfield
Es gibt Bücher, die man liest – und welche, die man spürt. Jack Kornfield, promovierter Psychologe und Mitgründer zweier der bedeutendsten buddhistischen Zentren Nordamerikas, gehört seit Jahrzehnten zu den Stimmen, denen man zuhören möchte, wenn es ruhiger werden soll im Inneren. In “Das achtsame Herz” versammelt er Weisheitsgeschichten aus buddhistischen und westlichen Kulturen und stellt dabei eine Frage, die sich gerade in unruhigen Zeiten anfühlen könnte wie ein Anker: Wie begegnen wir uns selbst – und allem, was um uns herum geschieht – mit Menschlichkeit und Respekt?
Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert und bewegt sich dabei durch unterschiedliche Welten: von der mittelalterlichen Sage von Sir Gawain bis zu persönlichen Berichten und modernen Anekdoten. Jede Geschichte kann als Spiegel dienen, um etwas ins sich wiederzuerkennen. Kornfield schlägt vor, dass innerer Frieden, Mitgefühl und Stärke sich nicht erarbeiten ließen, sondern sich vielleicht eher einstellen, wenn man aufhört, gegen das eigene Erleben zu kämpfen. Wer seine früheren Bücher kennt – etwa “Das weise Herz” oder “Frag den Buddha” – wird hier einen Ton wiederfinden, der vertraut wirkt: warm, geerdet, ohne erhobenen Zeigefinger. Das Buch hat zwar 272 Seiten, kann aber gut häppchenweise gelesen werden – morgens einen Gedanken mitnehmen, abends damit ankommen.
Für wen geeignet: Für alle, die sich einen Moment der Stille wünschenund gute Geschichten mögen.
“What`s going right”von Dr. Paul Conti
Stanford, Harvard, Oberarzt – und trotzdem ist es nicht der Lebenslauf, der bei Dr. Paul Conti zuerst auffällt, sondern die Frage, mit der er sein Buch eröffnet. Während die meisten Ratgeber dort ansetzen, was schiefläuft, dreht Conti den Blick konsequent um: Was geht bereits gut? Und wie könnte man genau dort anknüpfen, anstatt immer wieder bei den Problemen zu beginnen? “What’s Going Right” stellt die Idee vor, dass echte Veränderung geschieht, wenn amn nicht vesucht, Defizite zu reparieren, sondern mehr die vorhandene Stärken nutzt.
Das Herzstück des Buches ist Contis Konzept des sogenannten “Generative Drive” – einer inneren Antriebskraft, die, wenn sie aktiviert ist, dazu beitragen soll, Probleme kreativ zu lösen, anderen zu helfen und sich mit etwas Größerem als dem eigenen Alltag verbunden zu fühlen. Er beschreibt fünf Bereiche des Selbst, die zusammenwirken: wie wir fühlen, wie wir innerlich mit uns sprechen, wie wir nach außen handeln – und wo sich etwas verschieben ließe, damit das Leben sich stimmiger anfühlt. Das Ganze ohne das Versprechen, dass alles ganz einfach wäre – aber mit dem Hinweis, dass mehr bereits stimmt, als wir meistens glauben.
Für wen geeignet: Wenn du bereits bist zu denken: “Es ist schon alles da – schau hin!”
“Slow. Nutze die Kraft der Langsamkeit” von Lee Holden
Lee Holden wollte als junger Mann Profifußballer werden – Leistung, Tempo, Erfolg. Dann kam ein Unfall, der diese Pläne beendete, und mit ihm eine Begegnung, die sein Leben in eine ganz andere Richtung lenkte: Qigong. Die langsamen, fließenden Bewegungen dieser jahrtausendealten Praxis kosteten ihn zunächst Überwindung, doch sie taten etwas, das schnelle Sportarten nicht konnten – sie brachten ihn wieder in Kontakt mit sich selbst. Aus diesem Wendepunkt ist ein ganzes Lehrgebäude gewachsen, das Holden in “Slow. Nutze die Kraft der Langsamkeit” nun zugänglich macht: die Slow-Methode, eine Verbindung aus östlicher Weisheit, westlicher Wissenschaft und konkreten Übungen für Körper, Geist und Beziehungen.
Das Buch gliedert sich in drei Bereiche – Slow Mind, Slow Body, Slow Love – und schlägt vor, Entschleunigung als eine Rückkehr u sich zu sehen: zu dem, was dich wirklich trägt. Holden zeigt, wie Atemübungen das Nervensystem beruhigen könnten, wie Akupressurpunkte die Verdauung unterstützen und wie bewusste Kommunikation Beziehungen wieder mehr Tiefe verleihen könnte. Wer das für zu einfach hält, wird vielleicht überrascht sein, wie konkret und körpernah die Anleitungen tatsächlich sind – Qigong-Übungen lassen sich über Links im Buch als Video abrufen, was das Lesen zum echten Mitmachprogramm macht. Deepak Chopra hat das Buch als Durchbruch bezeichnet, James Nestor, Autor von “Breath”, lobt Holdens Fähigkeit, altes Wissen lebendig zu machen – und wer die eigene Erschöpfung spürt wie ein dumpfes Ziehen hinter den Schultern, könnte hier finden, wonach sie sucht: nicht noch mehr Effizienz, sondern einen anderen Rhythmus.
Für wen geeignet: Für alle, die entdecken möchte, das Langsamkeit eine hohe Kunst ist – die dich tatsächlich glücklich machen kann!
“Plastik im Kopf” von Manfred Spitzer
Stell dir vor, du isst eine Kreditkarte pro Woche – in kleinen, unsichtbaren Stückchen, verteilt über Trinkwasser, Fisch, Salz und Atemluft. Genau das passiert gerade, und die Wissenschaft fragt sich seit einiger Zeit, was diese Mikropartikel im Körper anrichten. Manfred Spitzer, langjähriger Psychiatrieprofessor der Universität Ulm und Autor von Büchern wie “Digitale Demenz” und “Einsamkeit”, richtet seinen Blick in “Plastik im Kopf” auf einen Ort, der bisher wenig Beachtung fand: das Gehirn. Was er dort findet, könnte beunruhigen.
Das Buch schlägt vor, dass Mikroplastik die sogenannte Blut-Hirn-Schranke – jene Schutzbarriere, die das Gehirn von schädlichen Substanzen fernhalten soll – überwinden und sich im Nervengewebe anreichern könnte. Auf der Basis aktueller Studien beschreibt Spitzer, wie selbst kleinste Mengen Lernprozesse, Gedächtnisleistung und Entscheidungsverhalten beeinflussen könnten – nicht nur im Tierversuch, sondern möglicherweise auch beim Menschen. Das Risiko für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz könnte dadurch steigen, zumindest legen es erste Forschungsergebnisse nahe. Spitzer ist bekannt für seinen klaren, manchmal alarmistischen Ton – wer seine früheren Bücher kennt, weiß, dass er Zahlen nicht schönt. Das macht das Lesen stellenweise unbequem, aber auch schwer wegzulegen. Und am Ende gibt das Buch auch konkrete Hinweise, was sich im Alltag verändern ließe – denn ganz hilflos sind wir dieser Bedrohung wohl nicht ausgeliefert.
Für wen geeignet: Wer wissen möchte, was wirklich in uns steckt – und bereit ist, die Antwort auszuhalten.
“Bereit für die Zukunft” von Jane McGonigal
Wer hat das schon einmal gedacht: “Das konnte doch niemand ahnen.” Jane McGonigal würde sagen: doch, hätte man. Die promovierte Spieleentwicklerin und Forschungsleiterin am Institute for the Future in Palo Alto hat mit ihren Planspielen “Evoke” und “Superstruct” sowohl die Finanzkrise als auch den Verlauf der Corona-Pandemie in erstaunlicher Präzision vorhergesagt – nicht durch Hellseherei, sondern durch eine Methode, die trainierbar ist: das bewusste Vorstellen von Zukünften, die noch niemand für möglich hält. In “Bereit für die Zukunft” gibt sie diese Methode weiter.
Das Buch schlägt vor, dass die Fähigkeit, sich Unvorstellbares vorzustellen, keine Frage von Talent sei, sondern von Übung. McGonigal arbeitet mit interaktiven Szenarien zu Themen wie Klima, Wirtschaft und gesellschaftlichen Umbrüchen – aber anders als man es aus nüchternen Zukunftsstudien kennt: spielerisch, körperlich spürbar, einladend. Das Gehirn, so ihre These, braucht konkrete mentale Probeläufe, um in echten Krisen schneller und klarer reagieren zu können. Das klingt zunächst nach einem Buch für Strategieabteilungen – ist es aber nicht. Es ist ein Buch für Menschen, die das Gefühl kennen, von der Zukunft überrollt zu werden, und die lieber ein bisschen früher aufwachen möchten. Der Wendeumschlag – auf der einen Seite hell, auf der anderen dunkel, je nachdem, wie man die eigene Zukunft gerade sieht – ist kein Gimmick, sondern eine stille Einladung: Du entscheidest, aus welchem Blickblickwinkel du anfängst.
Für wen geeignet: Für alle, die der Zukunft lieber neugierig begegnen als ängstlich – und die sich durchaus ungewöhnliche Dinge vorstellen können möchten.
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