Beweglich, yogisch, gesund: Buchrezensionen im Januar

Heute geht es um den yogischen Stellenwert der Wirbelsäule, zwei Bücher zum Thema Schmerz und neue und neuaufgelegte Yogabücher.

Beweglich, yogisch, gesund: Buchrezensionen im Januar

Es gibt natürlich sehr viele neue Bücher jeden Monat, auch über Yoga. Ich stelle heute tolle Neuauflagen und ganz neue Bücher vor. Dazu lese ich gern immer Bücher, die im weitesten Sinne das Yoga-Wissen erweitern und erhellen können. Heute habe ich zusätzlich die Themen Kraft im Beckenboden und Lösen von Schmerz dazugenommen.

Neuauflage: „Das große Buch vom Yoga“ von Anna Trökes

"Das große Buch vom Yoga" von Anna Trökes Neuauflage 2019 © G&U Yogannetteblog.de

„Das große Buch vom Yoga“ von Anna Trökes Neuauflage 2019 © G&U

Es ist nicht nur das meistverkaufte Yoga-Standardwerk, ich empfehle es seit dem ich mich mit Yoga beschäftige (seit 25 Jahren). Die Neuauflage habe ich heiß erwartet. Ganz ehrlich: Das alte Buch war einfacher und klarer, im neuen sind dafür mehr fortgeschrittene Übungen. Ich fand aber gerade das erste Buch sehr gut für Anfänger geeignet und auch in der Aufmachung freundlicher. Das neue Buch ist in düsterem Braun gehalten und wirkt nicht sehr einladend. Inhaltlich aber, wie immer bei Anna Trökes, topp, und etwa 100 Seiten mehr mit neue Themen und Vertiefungen zu Ernährung, Atmung sowie Faszientraining. Wer das alte nicht hat, kauft sich das neue „Standardwerk der Yogaliteratur“ und Liebhaber kaufen es einfach so!

Neuauflage: „Yoga – Mit Kraft und Anmut leben“ von Barbra Noh

"Yoga – Mit Kraft und Anmut leben" von Barbra Noh © Theseus/Kamphausen Yogannetteblog.de

„Yoga – Mit Kraft und Anmut leben“ von Barbra Noh © Theseus/Kamphausen

Wer die Präzision bei Anna Trökes liebt, wird ebenfalls begeistert sein über die überarbeitete Neuauflage von Barbra Nohs Buch: Prinzipien und Lebensphilosophie des Anusara Yoga werden wunderbar veranschaulicht. Dieses großformatige Buch zeigt Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitungen und ist ebenfalls ein echtes Highlight. Zwar auch sehr fortgeschritten, aber wer Anusara mag, wird hiermit einfach glücklich sein! Dazu gibt Barbra Noh Tipps für natürliche Gesundheit und das eigene Wohlbefinden im Alltag. Man merkt wie sehr sie dieses Yoga und die Grundprinzipien „Attitude/Haltung – Alignment/Ausrichtung – Action/Handlung“ liebt. In diese drei Bereiche ist das Buch ebenfalls untergliedert. Am Ende finden sich neun Praxissequenzen des Anusara Yoga.

„Powertraining mit Tigerfeeling“ von Benita Cantieni

"Catpower" von Benita Cantieni © Südwest Yogannetteblog.de

„Catpower“ von Benita Cantieni © Südwest

"Powertraining mit Tigerfeeling" von Benita Cantieni © Südwest Yogannetteblog.de

„Powertraining mit Tigerfeeling“ von Benita Cantieni © Südwest

Wenn es um Ausrichtung und Haltung geht, sollte man den Beckenboden trainieren. Anders als viele glauben, geht es im Yoga nicht nur um Dehnen, sondern auch um äußere Kraft. Denn erst dann kann sich der innere Körper voll entfalten: Wer anderes als die Expertin zum Thema Beckenboden mit ihrem Cantienica-Programm kann da zusätzliche Anleitung liefern? Benita Cantienis „Powertraining mit Tigerfeeling“ ist ein gelungenes Ganzkörpertraining, das durch Dehn- und Kräftigungsübungen sämtliche Muskelgruppen des Körpers anspricht. Besonders wichtig ist das Thema Tiefenmuskulatur. Haltung, meine Lieben! Die Übungen sind in verschiedene Bereiche unterteilt, dass frau/man auch mit kleineren Übungen zwischendurch arbeiten kann. Mit einer MP3-CD kann auch allein zuhause geübt werden. „Catpower“ wiederum ist ein eher persönliches Buch. Die Autorin berichtet davon, wie sie diese Art von Körperarbeit entwickelt hat: Sich kraftvoll und geschmeidig wie eine Katze bewegen können.

„Midlife Yoga“ von Barbara Decker

"Midlife Yoga" von Barbara Decker © DK Yogannetteblog.de

„Midlife Yoga“ von Barbara Decker © DK

Das Buch wird angekündigt als der „entspannte Begleiter durch die Wechseljahre“ und „stark in der Mitte des Lebens“. Na, da reiht es sich doch in Ausrichtung, Haltung, und Beckenboden direkt ein, oder? Die Wechseljahre werden oft als problematisch durch die Umstellungen des Körpers empfunden. Dieses Buch wirft die Frage auf: „Wie Sie energiegeladen und gut gelaunt durch den Tag kommen, besser schlafen und sich in Ihrem Körper wohler fühlen?“ Und gibt gleich die Antwort: „Mit Yoga, Atemübungen, Mantras und einfachen Rezepten, die speziell auf Ihre Lebensmitte zugeschnitten sind (…) Für Yoga-Anfänger und -Fortgeschrittene – von Yoga-Lehrerin und Best-Ager-Model Barbara Decker!“ Okay. Best-Ager-Model? Ich schule sofort um! Die Tipps, Teerezepte und Yogasequenzen sind tatsächlich leicht und sehr geeignet,  „den Wandel“ zu unterstützen und verhelfen hoffentlich zu mehr Selbstliebe und -vertrauen. Schönes Buch.

„Yoga“ von Wanda Badwal

"Yoga" von Wanda Badwal © Knaur Yogannetteblog.de

„Yoga“ von Wanda Badwal © Knaur

Im Untertitel heißt es: „Die 108 wichtigsten Übungen und ihre ganzheitliche Wirkung“. Die Haltungen sind gut dargestellt und Wanda Badwal legt viel Wert auf die richtige Ausrichtung. Es ist in sechs Kapitel gegliedert:

  1. Rückbeugen
  2. Seitbeugen
  3. Vorbeugen
  4. Drehungen
  5. Streckungen
  6. Umkehrhaltungen

Wie in jedem Yogabuch darf auch das Basiswissen zur Geschichte des Yoga, zur Yoga-Philosophie, sowie zum Chakra-System nicht fehlen. Ein Überblick über die Doshas, den Konstitutionstypen des Ayurveda, liefert gleich auch noch einen Selbsttest dazu. Wenn es mein erstes Yogabuch wäre, wäre es sofort mein Lieblingsbuch. Was hat das Buch, das andere nicht haben? Einen anderen Blickwinkel über die drei Doshas, allerdings ist diese Kombination auch nicht mehr so ungewöhnlich. Aber dafür ist es schön gestaltet und am Ende gibt es drei Sequenzen: Eine Sonne-, Mond- und Rücken-Praxis. Ein sehr sympathisches Buch!

„Das einfachste Yoga-Buch aller Zeiten“ von Nicole Reese

"Das einfachste Yoga-Buch aller Zeiten" von Nicole Reese © Trias Yogannetteblog.de

„Das einfachste Yoga-Buch aller Zeiten“ von Nicole Reese © Trias

Nach Nicole Reese ist „Yoga – so einfach wie nie“. Das Buch ist schön bebildert und zeigt tatsächlich nur Asanas plus zwei Atemtechniken und zwei Meditationen. Vom achtgliedrigen Yogaweg wollen wir hier schweigen. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen werden wie üblich die Haltungen und Abfolgen und deren Wirkungen erläutert. Zusätzlich sind aber Hinweise und Pfeile im Bild, um zu zeigen, was in der jeweiligen Haltung zu beachten ist. Zehn Sequenzen bilden den Abschluss dieses schlichten Werkes. Wen nur die körperlichen Aspekte interessieren, ist mit diesem Buch gut bedient. Die Autorin möchte Gelassenheit, Kraft und Energie, die sich durch Yoga einstellt, allein durch Asanas tarnsportieren. Kann das gelingen? Ich finde, nein.

„Detox-Yoga“ von Alexandra Rittinger

"Detox-Yoga" von Alexandra Rittinger © Trias Yogannetteblog.de

„Detox-Yoga“ von Alexandra Rittinger © Trias

Ganz anders ist es bei „Detox-Yoga“ von Alexandra Rittinger: Das Buch enthält ein 6-Wochen-Programm mit Yoga, Ausleitung und Pranafasten und liefert dazu ausführliche Beschreibungen zu

  1. Yoga
  2. Bewusstsein
  3. Koshas, Chakras & Nadis
  4. Detox, Nährstoffe, Prana
  5. Ayurveda & Trigunas
  6. Yogatheorie und -praxis

Viele kommen erst durch Leiden zur Erkenntnis. Sie können schon vorher anfangen: Wir müssen den Körper pflegen und reinigen wie wir es auch mit unserem Auto oder der Wohnung machen. Dabei sollte man herausfinden, was einen stärkt und was schwächt: Weniger ist mehr, dafür bessere Qualität und mehr Selbstfürsorge. Mit diesem Buch kann frau/man einen starker Anfang machen. Alexandra Rittinger hatte erfahren wie sie sich selbst helfen konnte, nachdem sie viele Jahre ihre seelischen Bedürfnisse vernachlässigte, unter körperlichen Einschränkungen und Schmerzen litt. Sie erkannte durch Yoga, wie eng Ernährung und Bewegung mit dem Zustand von Körper, Geist und Seele verbunden sind.

„Das Parasympathikus-Prinzip“ von Eder & Sperlich

Das "Parasympathikus-Prinzip" von Eder & Sperlich © G&U Yogannetteblog.de

Das „Parasympathikus-Prinzip“ von Eder & Sperlich © G&U

Ein wichtiger Aspekt der Gesundheit ist das Nervensystem. Auch im Yoga wollen wir den Parasympathikus ansprechen, um „runterfahren“ zu können. Die Ärzte Ursula Ede und Franz Sperlich stellen ihn in ihrem Buch vor: Anders als der Sympathikus, der uns aktiv und leistungsfähig macht, soll der Vagus im parasympathischen Anteil die Stresshormone aufhalten und uns regenerieren. Dazu kommt er aber kaum noch, da sich viele Menschen im dauererregten Zustand des Sympathikus befinden: Burnout! Mit Atmung und einfachen Mentaltrainings kann man lernen, sich und den Vagus zu entspannen. (Das ist ja Yoga!) Die Autoren wählen das Bild des inneren Arztes, um Zusammenhänge zwischen Herz und Hirn zu erläutern. Zur Zeit werde Vagusnerv und Polyvagal-Theorie viel besprochen, da passt dieses verständlich geschriebene Buch gut hinein. Allerdings benötigt man kein Gerät, keinen „Relaxator“ (was für ein Wort!), zum Ausatmen, da kann man einfach die Lippenbremse nehmen. (Kopfschütteln!)

„Nackenschmerzen selbst behandeln“ von Heike Höfler

"Nackenschmerzen selbst behandeln" von Heike Höfler © riva Yogannetteblog.de

„Nackenschmerzen selbst behandeln“ von Heike Höfler © riva

Fehlhaltungen und Schmerzen können mit einer starke Nackenmuskulatur verhindert werden. Bewegungstherapeutin Heike Höfler stellt gezielt über 100 Übungen zur Lockerung, Dehnung, Mobilisation und Kräftigung für Hals-, Nacken- und Schulterbereich vor. Sie unterfüttert die Praxis mit anatomische Grundlagen, um die Ursache des Schmerzes verständlich zu machen. So kann man selbst Haltungsfehlern entgegenwirken, Blockaden lösen und die Muskulatur stärken. Mit Theraband, Ball oder Handtuch, am Schreibtisch oder auf der Matte: Alles tolle Übungen, die man täglich üben kann. Da die Teilnehmenden von Yogakursen oft tagsüber in Büros (o.ä.) tätig sind, können die Übungen sinnvoll in den Yogaunterricht integriert werden. Das Buch ist sehr übersichtlich aufgebaut. Am Ende gibt es noch elf verschiedene Übungsprogramme.

„Endlich frei von Schmerzen“ von Amanda Oswald

"Endlich frei von Schmerzen" von Amanda Oswald © riva Yogannetteblog.de

„Endlich frei von Schmerzen“ von Amanda Oswald © riva

Bei chronische Schmerzen hilft myofasziales Release-Training: Bindegewebsverhärtungen werden gelockert und gelöst. Amanda Oswald ist eine der führenden Expertinnen auf diesem Gebiet und stellt im Buch einen ganzheitlichen Ansatz der Selbstbehandlung von Fehlhaltungen und Schmerzzuständen dar:

  • Ursachen von Schmerzen
  • Rolle der Faszien
  • Typische chronische Schmerzerkrankungen
  • Effektive Selbsthilfemaßnahmen
  • Faszienfreundlicher Alltag

Die Übungen können ebenfalls am Arbeitsplatz oder Zuhause ausgeführt werden. Schön finde ich die Schreibtischübungen für die Handgelenke, die Schulterübungen im Türrahmen und die Übungen mit einem kleinen Ball. Fasziendehnen leicht gemacht – ich werde sie sicherlich regelmäßig in den Tag einbauen!

„Fitness-Yoga“ von Sarah Stork

"Fitness Yoga" von Sarah Stork © riva Yogannetteblog.de

„Fitness Yoga“ von Sarah Stork © riva

Der Untertitel verrät es: „Mit intensiven Workouts Fett verbrennen, Kraft steigern und Energie gewinnen“. Wieder mal ein Buch, bei dem ich nichts Gutes ahne. Das Wörtchen Workout sagt mir: Nicht Yoga. Die Schauspielerin Sarah Stork zeigt 80 Übungen, die durchaus aus dem Yoga kommen können, kombiniert High Intensity Workouts. Naja, mehr Sport als innerlich zur Ruhekommen. Wobei die schiere Erschöpfung das leisten soll, was wir im „echten und wahren“ Yoga über Bewusstsein und Achtsamkeit erlangen. Ziel dieses Buches ist ganz klar neben straffen „Arme, Bauch, Beine und Po“ auch „gezielt an deinem Körper arbeiten, alles aus dir herausholen und deine Leistung und Energie maximieren“. Ich bin dann mal weg.

Annette Bauer

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Anita am 31. Januar 2020 um 11:58

    Als Yogalehrerin und Büchernerd ist das natürlich der perfekte Post für mich – hab vielen Dank dafür und gerne mehr davon!

    Ich sollte mich wirklich mal an die Bücher von Anna Trökes ranwagen. Irgendwie hemmt mich da etwas am Sprachrhythmus und -stil, was die Bücher für mich so gar nicht zugänglich macht. Aber vielleicht sollte ich es einfach mal wieder versuchen, manche Dinge ändern sich ja über die Zeit.

    Was den Beckenboden angeht, der ist definitiv superwichtig und kann ja auch in der „grobstofflichen“ Form via Mula Bandha angesprochen werden. Da zielt die Einsteiger-Erklärung ja durchaus auch auf die Beckenbodenmuskulatur.

    „Das Parasympathikus-Prinzip“ kannte ich noch nicht und ist für mich auch das interessanteste Buch, da ich mich damit noch vertiefter auseinandersetzen möchte. Das ist etwas so wichtiges, was doch zu oft leider nicht im Fokus steht. Das möchte ich auch gerne mehr in meinen eigenen Unterricht einbauen und auch im Büro vorleben.

    • Veröffentlich von Annette Bauer am 31. Januar 2020 um 17:55

      Das freut mich und vielen dank für Dein Feedback, liebe Anita.
      Meine Rezensionnen erscheinen immer am letzten Mittwoch (manchmal samstags) des Monats. Also hoffe ich, das auch beim nächsten mal wieder etwas Interessantes für Dich dabei ist.
      Liebe Grüße, Annette

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