„Yoga-Morality“ von Georg Feuerstein II

Das Buch „Yoga Moral“ von Georg Feuerstein hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie auch seine anderen Werke ist es fundiert und nachvollziehbar geschrieben. .

Schriften führen zum Selbst

Von Georg Feuerstein kennt man vielleicht den dicken Band „Die Yoga Tradition“. Darin findet man alles, was er über die Quelltexte zusammentragen konnte und beschreibt darin die 5000 Jahre alte Geschichte des Yoga, ein monumentales Werk. Allein das war schon eine Yoga-Übung: Schriften können einen tiefer zum Selbst führen (Svadhyaya). Aus seinen Forschungen kamen dann auch die ethischen Regeln für Yoga-Lehrende. Ein Auszug aus dem Buch „Yoga-Moral“ regt mich immer wieder zum Denken an. Das bleibt ein Prozess und endet nicht. Eine yogische Ethik ist zwingend notwendig für alle Lehrenden. Das gilt nicht nur für Yoga, sondern für alle Menschen, die anderen etwas beibringen möchten. Hier der zweite Teil seiner Zusammenfassung (PDF).

Grenzen der allumfassenden Bereitschaft zu lehren

Georg Feuerstein beton die Meinungsfreiheit und hält Yoga-Lehrende dazu an, mit Offenheit den unterschiedlichen Weltsichten, Ideen und Überzeugungen zu begegnen. Möchte oder kann der Schüler durch seine Einstellung oder seinen Glauben die tiefe, transformierenden Weisheiten des Yogas nicht annehmen, sollte er das Unterrichten dieses Schülers auf freundliche Weise ablehnen. Das ist harter Tobak, wenn man bedenkt, das hierzulande um jeden Schüler gerungen wird. Umgekehrt muss nicht jeder Schüler alles annehmen, was einem der Yoga-Lehrer anbietet oder abfordert. Denn nicht jeder ist gerade in diesem Moment aufnahmebereit für die Essenz des Yoga. Das müssen beide, Lehrer und Schüler, erkennen und respektieren.

Sexualität gehört nicht in den Yoga-Unterricht

Man hört leider auch in der Yoga-Szene von sexueller Belästigung oder Beziehungen von Lehrern mit ihren Schüler*innen. Andersherum habe ich es zwar nicht gehört, wird es sicherlich aber auch geben. Selbstverständlich ist jede Form von sexueller Belästigung zu vermeiden. Traurig, dass man das extra erwähnen muss! Georg Feuerstein ist da sehr deutlich und empfiehlt bei einer möglichen Anziehung, auch bei gegenseitigem Einverständnis vorher den Rat von Kollegen einzuholen: Man soll die Motive klären. Disziplin ist nötig, um sich zurückzunehmen und abzuwarten, ob diese Empfindungen nicht nur vorübergehender Natur sind. Abhängigkeiten auch ohne sexuellen Hintergrund sind ebenfalls strikt zu vermeiden: Man soll seine Schüler fördern und nicht ausnutzen.

Die richtigen Umgangsformen pflegen

Der Abstand zu den Schülern muss gepflegt werden: Das ist bedeutend, da Schüler oft ihre Lehrer genau beobachten, sie verehren und nachahmen. Dessen sollte man sich immer bewusst sein und darf das niemals ausnutzen. Da Yoga-Lehrerende um die große Bedeutung des Lerninhalts wissen, vermeiden sie einen allzu ungezwungenen Unterricht. Freundschaftliche Anleitung geht nur mit gesundem Abstand, denn Yoga-Schüler hadern mit sich selbst und mit dem Lehrer, dass darf aber niemals vom Yoga-Lehrer aus persönlich werden. Der Schüler benötigt den Abstand und den Raum, um seine eigenen Themen bearbeiten zu können. Gibt der Lehrer zu viel von sich in den Raum, beschäftigt sich er Schüler mit den Themen des Lehrers und nicht mit den eigenen! Andersherum muss ich als Lehrerin damit klar kommen, wenn der Schüler Distanz wahrt, und darf nicht unangemessen reagieren.

Yoga-Lehrende untereinander

Das Gleiche gilt selbstverständlich gegenüber Kollegen, also für Yoga-Lehrende untereinander. Man soll sich laut Feuerstein um Toleranz gegenüber anderen Yoga-Lehren und- Lehrenden, Schulen und Traditionen bemühen. Wenn man Kritik übt, sollte sie fair und mit Blick auf die Tatsachen vorgebracht werden und nicht abwertend sein. Das ist tatsächlich eine sehr interessantem Überlegung in der Yoga-Szene! Da kenne ich einige bekanntere Yoga-Lehrende, die andere Yoga-Richtungen schon mal runtergemacht haben. Aber das fällt ja nur auf sie selbst zurück und ist für sie peinlich.

„Yoga-Morality“ von Georg Feuerstein

Buchtitel Georg Feuerstein Yoga Morality

Buchtitel Georg Feuerstein Yoga Morality

Der Untertitel lautet: „Alte Lehren in Zeiten der globalen Krise“ (Ancient Teachings at a Time of Global Crisis). Das Buch „Yoga-Morality“ von Georg Feuerstein ist von 2007, widmet sich in 15 Essays nicht nur Yoga-Themen, sondern bietet Lösungen für alle Lebensfragen. Wer des Englischen mächtig ist und sich für (Yoga-)Philosophie interessiert, sollte es unbedingt mal lesen. Es regt zum Nachdenken an: Disziplin, Verantwortung und Klarheit sollten mehr Raum bekommen. Mit diesen Werte können wir dazu beitragen, dass das Leben und das Miteinander in unserer Gesellschaft und in dieser Welt besser wird. Jeder einzelne von uns ist gefragt, ob Schüler oder Lehrer!

Annette Bauer

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