Durchlässige Welten
Der Monat November steht für Übergänge und die Durchlässigkeit der Welten: Allerheiligen, Allerseelen, Halloween, wir gedenke unser Ahnen und den Toten. Draußen hängt der Nebel zwischen den Bäumen und das nasse Laub riecht nach Erde. So kam man vielleicht früher auf die Idee, dass der Schleier zwischen den Welten dünner wird und wir mit den Toten Kontakt aufnehmen können. Man könnte sie befragen und sie könnten uns hilfreich mit ihrem Wissen zur Seite stehen. Ein schöner Gedanke!
Auch die Übergänge im Leben einer Frau fühlen sich ähnlich an, auch das ein inzwischen nicht mehr tabuisiertes Thema: die Wechseljahre. Aber auch die Übergänge, wenn die Kinder ausziehen, der Job wegbricht, Trennungen. Keiner dieser Momente fragt vorher, ob dir gerade danach ist. Was hilft dann? Manchmal ein gutes Buch, manchmal ein Kartenset mit Kerze, manchmal die Erkenntnis, dass du nicht die Erste bist, der das passiert.
Heute habe ich drei Kartensets zum Orakeln, Bücher zu Ahnen und Hexen, aber auch allgemeine Frauenthemen für dich quergelesen. Zehn Titel sind dabei wieder zusammengekommen, vielleicht ist etwas für dich dabei?
Frauenbücher zu Ahnen & Hexen
“Meine Ahnin, die Hexe und ich” von Juliane Schiemenz
Da ich gerade in Bamberg war, wo jede(r) auf dem Scheiterhaufen landen konnte, finde ich das natürlich gerade sehr spannend: Eine Frau, nicht verheiratet, keine Kinder und streitet vor Gericht um ihr Erbe das reichte 1620 aus, um als Hexe verurteilt zu werden. Sidonia von Borcke hieß diese Frau, und Juliane Schiemenz ist mit ihr verwandt. Die Autorin geht der Spur ihrer berühmt gewordenen Ahnin nach und stellt die Frage, warum die Angst vor unangepassten Frauen bis heute so lebendig zu sein scheint. Auch, wenn ich keine (bekannte) Hexe in meiner Familie benennen kann, bin ich doch mit allen Frauen verwandt.
Die Autorin mischt dabei historische Spurensuche mit ihrer eigenen Geschichte. Wer heute auf dem eigenen Standpunkt beharrt, hört schnell “zickig” oder “angry”, und genau diese Linie zieht das Buch durch die Jahrhunderte. In “Meine Ahnin, die Hexe, und ich” verbinden sich Familie, Wut und Weiblichkeit zu einem persönlichen Plädoyer, dem Druck der Norm etwas Eigenes entgegenzusetzen. Da bin ich total bei ihr: Entwickle eine eigene Leitlinie und bleib dabei.
Für wen geeignet: Für Leser*innen, die als “zu laut” oder “zu anstrengend” bezeichnet werden und dem Wissen darum, in welcher langen Reihe von Frauen sie da stehen.
“There is a Witch in every Woman” von Meike Höhne
Meike Höhne lebt in der Oberpfalz, arbeitet seit 2021 als Hexe, spirituelle Coachin und mediale Begleiterin. Ihr Buch stellt die Idee vor, dass in jeder Frau die verborgene Kraft einer Hexe liegt, ein altes Wissen, das mit den Kräften des Universums verbunden sei. Dafür nimmt sie dich mit in die dunklen Zeiten der Hexenverfolgung, deren Spuren wir laut Höhne bis heute in uns wahrnehmen können, als sogenannte Hexenwunde. Diesen Begriff kannte ich jetzt noch nicht, habe aber auch im Schamanismus davon erfahren, dass Heiler und Schamanen verfolgt und getötet werden konnten, wenn sie keine gewünschten Resultate liefern konnten.
Dieser Titel liefert Impulse zur Naturverbundenheit, alten und neuen Traditionen und der Akasha Chronik, damit du deine “ureigene” Stärke erkennen lernst. Akasha stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Raum oder Äther; gemeint ist hier eine Art Aufzeichnung all dessen, was war, ist und sein wird. Das Ganze bewegt sich klar im spirituellen Feld: Die Hexenwunde lässt sich wissenschaftlich nicht überprüfen, du könntest sie in “There is a Witch in every Woman” aber als Symbol verstehen, das etwas in dir zum Klingen bringen kann.
Für wen geeignet: Für Leser*innen, die Magie und Hexentum als Quelle weiblicher Kraft erkunden möchten.
Kartensets zum Orakeln
Christephania Tarot
Bilder wie aus einem alten Traum: Christiane Neumann, die unter dem Namen Christephania seit 2001 digitale Kunst schafft und mediale Beratungen anbietet, hat ein Tarotdeck aus ganz tollen Collagen gestaltet. Nostalgie, Intuition und feine Symbolik sollen darin miteinander verschmelzen, surreal und doch vertraut, wie aus dem Unbewussten. Sie versteht ihre Karten als Neuinterpretation klassischer Tarotkarten. Stäbe, Münzen oder Kelche können als Blüten, Sterne oder andere Kreise dargestellt werden. Ich möchte dadurch die Bilder genauer untersuchen und komme zu anderen Ideen als mit meinen üblichen Kartendecks, die ich einfach schon Jahrzehnte lang kenne.
Die 78 Karten kommen mit einem 176-seitigen Booklet, das zu jeder Karte einfühlsame Deutungen und passende Legemuster bereithält. Das “Christephania Tarot” lädt dich ein, deine eigene Heldinnenreise zu beginnen und dich mit den archetypischen Kräften zu verbinden, die in den Kartenbildern wohnen (Archetypen: urtümliche Muster, die uns allen vertraut sind). Du musst dafür keine Zukunft vorhersagen können, ein neugieriger Blick und eine neue Perspektive genügen.
Für wen geeignet: Für alle, die mal ein wirklich anderes Tarotkartenset ausprobieren wollen.
Woodland Wardens Tarot von Jessica Roux
Jessica Roux, Illustratorin aus Nashville, malt Tiere und Pflanzen mit einer Detailverliebtheit, die an alte Naturbücher erinnert. Nach ihrem Woodland Wardens Orakel mit 52 Karten, die ich letztes Jahr vorgestellt habe, legt sie nun ein vollständiges Tarot vor: 78 Karten, die sich an die klassische Symbolik des Waite-Smith-Tarots anlehnen (das Bildsystem von 1909, nach dem viele moderne Decks gestaltet sind), nur dass bei ihr Waldbewohner die Menschenfiguren ersetzen. Ich finde es wunderschön!
Die “Wardens” (englisch: Hüter) im Woodland Wardens Tarot führen dich durch die Große Arkana mit ihren 22 Lebensthemen und durch die Kleine Arkana mit 56 Alltagskarten. Das Set kommt in einer Stülpdeckelschachtel mit Booklet und lässt sich auch mit dem Orakel zusammen benutzen. Das ist doch mal eine ganz neue Variante!
Für wen geeignet: Für alle, die beim Kartenziehen gern Moos, Federn und Fell vor Augen haben.
Dein 13-Wünsche-Rauhnachtsorakel
Zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, in den zwölf Rauhnächten, blicken inzwischen viele Menschen zurück auf vergangene Jahr und wagen einen Ausblick mit Wünschen und Träumen auf die nächsten 12 Monate. Das bekannte Ritual funktioniert so: Du schreibst 13 Wünsche auf, faltest die Zettel zusammen und übergibst Abend für Abend einen den Elementen (z.B. dem Feuer einer Kerze), ohne ihn zu lesen. Der letzte Zettel bleibt bei dir, und um diesen Wunsch kümmerst du dich die nächsten 12 Monate selbst. Dieses Orakelset begleitet das Ritual mit 37 Karten: 13 Wunschkarten, einem Wunschzettelblock zum Abreißen, 12 Karten mit sanften Impulsen und Affirmationen und Journaling-Karten zum Vertiefen. Ein Rumdum-Sorglos-Paket!
Ein 48-seitiges Booklet erklärt den klaren 12+1-Ablauf; du brauchst dafür eine Kerze, einen Stift und ein bisschen Ruhe. Die Rauhnächte klingen noch weit weg? Sieben Wochen sind schneller um, als du denkst – wie jedes Jahr! Oder hast du schon alle Geschenke? Wer sich jetzt schon mit “Dein 13-Wünsche Rauhnachts-Orakel” beschäftigt, geht entspannter durch die dunkle Zeit des Jahres.
Für wen geeignet: Für orakelnde Menschen und für die aufregend-mystischste Zeit des Jahres.
Frauenthemen Querbeet
“Sleep like a Queen” von Dr. med. Judith Bildau
Mein größtes Problem ist zurzeit für mich gut zu schlafen: Frauenärztin Dr. med. Judith Bildau stellt die Idee vor, dass weiblicher Schlaf eigenen Regeln folgt: Gedankenkarussell, hormonelle Achterbahnfahrt von der Menstruation bis zur Postmenopause oder eben auch manchmal ein schreiendes Baby. Laut Verlagstext leidet fast die Hälfte aller Frauen unter Schlaflosigkeit, und Bildau räumt mit dem Mythos auf, bleierne Müdigkeit gehöre für Frauen einfach dazu.
Ausgehend von der Schlafforschung verbindet sie Schlafdiagnostik, Ernährung, pflanzliche Unterstützung, TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Meditation und kognitive Verhaltenstherapie. Ein Fragebogen, ein Schlaftagebuch, ein Tracker und ein Selbsttest helfen dir, deine persönlichen Auslöser aufzuspüren. Wer über Wochen kaum schläft, gehört trotzdem zuerst in ärztliche Hände, auch wenn dich “Sleep like a Queen” beim Sortieren unterstützen kann. Es liest sich locker und viele Aspekte hat man vielleicht schon mal gehört. Das wird allerdings gezielt für bestimmte Probleme mit Diagnostik und möglicher Abhilfe sehr gut beschrieben.
Für wen geeignet: Für dich, wenn du auch nachts um drei die Zimmerdecke anstarrst. Ich hoffe, das Buch bietet auch dir neue Aspekte. Es hilft zu wissen, dass viel mehr darunter leiden…
“My Meno Mind” von Sandra Tschöpe
“Ich erkenne mich selbst nicht mehr.” Diesen Satz sagen viele Frauen in den Wechseljahren, und Sandra Tschöpe hat dazu ein Programm entwickel. Sie stellt als Psychologin, Psychotherapeutin und Wechseljahresberaterin die Idee vor, dass Hormone die Psyche mitprägen. Ängste, Stimmungsschwankungen oder gedrückte Phasen wären demnach kein persönliches Versagen, und du kannst selbst aktiv werden.
Das Buch baut auf ihrem Programm MyMenoMind auf und liefert Erklärungen, Tipps, Übungen und Fallbeispiele, privat wie im Beruf. Ziel ist es, zur Expertin der eigenen Wechseljahresreise zu werden und die emotionale Balance mit psychologischen Werkzeugen zu stärken. Bleiben Ängste oder trübe Stimmung über längere Zeit bestehen, ersetzt auch “My Meno Mind” kein Gespräch mit Ärzt*in oder Psychotherapeut*in.
Für wen geeignet: Für Frauen im hormonellen Umbruch, die wissen möchten, was in ihrem Kopf gerade passiert.
“Unzerbrechlich – starke Knochen, starke Frauen” von Vonda Wright
Muskeln und Knochen kommen beim Thema Wechseljahre selten zur Sprache, dabei tragen sie dich jeden Morgen aus dem Bett. Vonda Wright, orthopädische Chirurgin aus den USA, richtet den Blick genau darauf: auf Gelenkschmerzen, nachlassende Kraft und sinkende Knochendichte, die sie als “muskuloskelettales Syndrom der Menopause” beschreibt. Endlich bekommen mein Gelenkschmerzen einen Namen und Bezug zu den Wechseljahren!
Herzstück ist ein sechswöchiges Trainingsprogramm für zu Hause, das Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit verbindet. Dazu kommen ein Selbsttest zur eigenen “Unzerbrechlichkeit“, zwanzig entzündungshemmende Rezepte und Hinweise zu Stress und Schlaf. Wer Yoga übt, kennt das Zusammenspiel von Sthira (stabil) und Sukham (leicht, mühelos) und deine Kraft darf und sollte sich genau so anfühlen. Mit Vorerkrankungen oder nach langer Trainingspause klärst du das Programm am besten vorher mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt ab.
Für wen geeignet: Für dich, wenn du auch mit 80 die Einkaufstüten noch selbst die Altbautreppe hochtragen möchtest.
“Nervenstark” von Karin Janka
Du funktionierst, aber innen rumort es: Du fühlst dich erschöpft, gereizt, bist ängstlich oder hast vielleicht Schmerzen. Karin Janka, Ergotherapeutin aus Bad Ischl, begleitet seit über 20 Jahren Menschen mit körperlichen und seelischen Schmerzen. Nach einer eigenen mentalen Krise hat sie sich auf die Arbeit mit dem Nervensystem spezialisiert und schlägt vor, den Schlüssel im autonomen Nervensystem zu suchen statt in Disziplin und Willenskraft.
Ihre Methode der Neurobalance verbindet neurobiologisches Wissen mit bewährten Techniken: Verstehen, Spüren und im Alltag Verankern.
Neben dem Vagusnerv, der uns zwischen Anspannung und Ruhe pendeln lässt, behandelt sie die übrigen elf Hirnnerven mit einfachen Übungen, die schnell dabei helfen sollen, sich zu entspannen. Diese Selbsttests sind klar und helfen dir, deine persönliche Toolbox zusammenzustellen. Um es noch einfacher zu machen, gibt es einen QR-Code zu den Übungsvideos und Achtsamkeitsübungen. Wer Yoga übt, kennt das Gefühl, wenn der Atem das Nervensystem beruhigt (Pranayama, Atemlenkung), und findet in “Nervenstark!” einen anderen Weg zum selben Ziel. Neurobalance ist Jankas eigene Methode; belegte Wirksamkeitsstudien nennt die Verlagsbeschreibung nicht.
Für wen geeignet: Für alle, die in Krisen körpernahe Hilfe suchen und gern selbst Hand anlegen.
“Too much” von Terri Cole
Bricht bei dir alles zusammen, wenn du einen Tag nicht erreichbar bist? Dann könnte Terri Coles (auch von ihr: “Boundary Boss“) Konzept der hochfunktionalen Co-Abhängigkeit (kurz HFC) einen Nerv treffen. Die US-Psychotherapeutin beobachtete in ihrer Praxis Klient*innen, die erfolgreich wirkten und innerlich ausbrannten, weil sie ständig alle anderen versorgten. Cole stellt die Idee vor, dass dieses Muster oft in der Kindheit beginnt, wenn Liebe an Bedingungen geknüpft scheint und Überfürsorge zur Überlebensstrategie wird.
Das Buch erklärt, woher das Zuviel-Geben stammt, warum sich Co-Abhängige und Narzisst*innen oft anziehen, und liefert Fragebögen, Übungen und Strategien für Grenzen-setzen, Resilienz und Selbstfürsorge. Der Weg führt “vom Zuviel zum Richtig”, wie es der deutsche Verlag formuliert. HFC ist Coles eigener Begriff und keine anerkannte Diagnose: Am besten verstehst du ihn in “Too Much!” als Gedankenexperiment.
Für wen geeignet: Für Frauen, die jede Familienfeier, jeden Geburtstag und jedes Teamprojekt allein stemmen und verstehen möchten, warum sie nicht Nein sagen können.
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