Sankalpa oder Samkalpa steht für den bewussten Wunsch, sich etwas vorzunehmen. Man kann es als guten Vorsatz beschreiben, für die Yogastunde oder für eine andere wesentliche Veränderung im Leben. Das liegt ganz bei dir!
Wurzeln für deine Vorhaben
Am Anfang jeder Yogastunde atmen wir bewusster: Du atmest aus und leerst das “Gefäß”, um dann wieder das Gefäß, also die Lungen, zu füllen. In diesem Atemzug liegt mehr Kraft, als du vielleicht denkst. Die yogische Tradition unterscheidet zwischen dem, was dir zufällig durch den Kopf geht, und dem, was du bewusst wählst. Genau dort setzt die Praxis an, die dich mit deinem eigenen Innern, mit deinem Willen verbindet: ein klarer, liebevoll gewählter Vorsatz, der nicht im Kopf bleibt, sondern durch deinen ganzen Körper wandert. Vielleicht kennst du diesen Moment schon, wenn du dich auf die Matte legst und für einen Atemzug lang ganz bei dir bist.
Das nennt sich im Yoga Sankalpa, manchmal auch Samkalpa geschrieben. Es steht für genau diesen bewussten Wunsch, der nach innen gerichtet wird. Du kannst es als guten Vorsatz beschreiben – für die Yogastunde oder für eine wesentliche Veränderung in deinem Leben. Das liegt ganz bei dir. Manche Yogis vergleichen dieses Vorhaben mit einem Samenkorn, Bija, das du in die Erde legst: Die Wiederholung eines Bija-Mantras gleicht dem Gießen und Pflegen von Samen und Sprösslingen, bis daraus etwas Eigenes wächst.
Am besten setzt sich dein Vorsatz im Geist fest, wenn du ihn in einem entspannten Zustand einpflanzt. Dann bekommt dein Unterbewusstsein eine Aufgabe, eine Richtung, ein Ziel, an dem es arbeiten kann, während du gar nicht bewusst darüber nachdenkst. Genau das macht diese Praxis so wirkungsvoll: Du musst nicht ständig an dein Vorhaben denken, du musst es nur an der richtigen Stelle zur richtigen (entspannten) Zeit einpflanzen.
Stell dir vor, du hast dir vorgenommen, abends öfter das Handy wegzulegen. Statt dir das jeden Abend aufs Neue vorzunehmen, pflanzt du diesen Wunsch einmal tief und entspannt ein – am Anfang oder Ende deiner Yogastunde, in Ruhe, mit geschlossenen Augen. Ein paar Tage später merkst du plötzlich, wie deine Hand von allein zum Buch statt zum Display greift.
Deinen Geist ausrichten
Es geht darum, deine Gedanken fest auf ein Ziel hin auszurichten, dir etwas vorzunehmen, über Wünsche und Ausrichtung nachzudenken. Ob du das als eigene kleine Zeremonie gestaltest oder in der Entspannung als Affirmation wiederholst, bleibt dir überlassen. Beides führt dich zum selben Punkt: einer inneren Klarheit, die dich trägt, wenn der Alltag wieder lauter wird.
Du kannst es auch ganz einfach als guten Vorsatz nehmen: liebevoll mit dir selbst umgehen, freundlich zu anderen sein oder jeden Tag ein Stück gesünder leben. Was immer du dir vornehmen möchtest – richte deinen Geist auf dieses Ziel hin aus. Dein Unterbewusstsein nimmt diesen Impuls auf, oft, ohne dass du es bemerkst. In meinen Stunden biete ich zu Beginn eine solche innere Ausrichtung gern in der Kindhaltung an: Du bist ganz dicht bei dir selbst, und es fällt dir leichter herauszufinden, welche Art von Unterstützung du dir gerade selbst geben kannst.
Am Anfang und am Ende von Yoga Nidra oder in Shavasana wird dieses Vorhaben deinem Unterbewusstsein besonders wirksam angeboten. Im yogischen Schlaf lässt du dich nicht tiefer sinken und schläfst nicht ein, sondern verweilst wach im Zwischenzustand vor dem Einschlafen. Für diese Tiefenentspannung brauchst du etwa 20 bis 30 Minuten, und du kannst sie auch zu Hause üben. Je öfter du so entspannt deinen Vorsatz einpflanzt, umso stärker wird er heranreifen.
Bija-Mantra als Anker im Alltag
Bija heißt Samen oder Keimsilbe – und genau hier schließt sich der Kreis zwischen deiner Matte und deinem Alltag. Es gibt einsilbige Samen-Mantras, sogenannte Bija-Mantras, für jedes Chakra. OM ist das bekannteste davon. Wenn du auf die Eigenschaften eines Chakras meditierst und dazu die passende Silbe tönst, sprichst oder stumm denkst, aktivierst du die Qualitäten, die damit verbunden sind. Auch so richtest du dein Unterbewusstsein auf etwas aus – nur eben über den Klang statt über Worte.
Die Silben lauten vom Wurzelchakra aufwärts: LAM – VAM – RAM – YAM – HAM – OM. Im obersten Scheitelchakra, das außerhalb deines Körpers liegt, bleibt nur noch Stille – der Nachhall von OM. Was dabei passiert, ist mehr als reine Symbolik: Wer tönt oder singt, konzentriert sich zwangsläufig auf den Klang und lenkt sich damit nicht durch andere Gedanken ab. Genau darum beschreibe ich Mantras in einem anderen Artikel als eine Art Abkürzung oder Shortcut zur Erleuchtung – ein direkter Weg, deinen Geist zu sammeln, ohne über tausend Umwege dorthin zu müssen.
Dass Klang tatsächlich messbar wirkt, zeigt eine viel zitierte fMRT-Pilotstudie im International Journal of Yoga: Beim lauten Tönen von OM ließen sich bei den Teilnehmenden deutliche Beruhigungseffekte im limbischen System nachweisen – jenem Bereich, der Emotionen und Stressreaktionen steuert. Dein Nervensystem hört also tatsächlich mit, wenn du tönst, nicht nur dein Kopf.
Du sitzt im Zug, dein Vorhaben aus der letzten Yogastunde ist gerade wieder verblasst. Statt dich zu ärgern, tönst du innerlich einmal leise dein Bija-Mantra – nur für dich, drei Atemzüge lang. Dein Kopf wird ruhiger, und plötzlich ist auch dein Vorsatz wieder da, klar und greifbar, so als hättest du ihn nie vergessen.
Dein Vorhaben verankern
Eine ganz eigene Richtung beschäftigt sich im Yoga und Ayurveda mit dem Klang: Nada Yoga. Du kannst mit Klang beruhigen oder aktivieren, bringst etwas in Schwingung und Resonanz. Das hast du vielleicht schon erlebt, wenn Popmusik, Klassik oder Heavy Metal deine Stimmung binnen Sekunden verändert. Genauso arbeitet ein Bija-Mantra – nur bewusster gewählt und mit einer klaren Absicht dahinter.
Du kannst also dein Vorhaben und ein Bija-Mantra kombinieren und dich damit in eine Stimmung bringen, die dir hilft umzusetzen, was du dir vorgenommen hast. Auf der Matte pflanzt du den Samen, im Alltag hältst du ihn mit dem Klang lebendig. Am Ende ist es genau diese Verbindung, die dein Sankalpa von einem guten Gedanken in eine spürbare Veränderung verwandelt.
Ich beobachte in meinen Kursen immer wieder, wie sehr diese Verbindung von Stille und Klang meine Teilnehmer*innen trägt. Manchmal reicht ein einziges Tönen am Ende der Stunde, damit ein Vorhaben, das vorher vage war, plötzlich Kontur bekommt. Auch bei mir selbst hat sich über die Jahre gezeigt, dass ein still eingepflanzter Vorsatz zuverlässiger wächst als jeder Merkzettel.
Wenn du spüren möchtest, wie sich das für dich anfühlt – die Ausrichtung auf der Matte, der Klang im Alltag –, dann komm gern in eine meiner Stunden. Im persönlichen Gespräch können wir auch klären, welche Form der Praxis zu deinem Vorhaben passt.
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