Täuschung führt zu falschen Entscheidungen: Avidya

Avidya bedeutet Täuschung oder Nichtwissen im Sinne von falschem Wissen und gilt als „Mutter“ oder „Quelle“ für die anderen vier Kleshas: Asmita, die Identifizierung oder das Ego, Raga, die Vorliebe oder das Wollen, Dvesha, die Abneigung, und Abhinivesha die Todesfurcht oder Furcht vor Auslöschung.

Avidya, Mutter aller Kleshas

Das erste Klesha ist Avidya. Es trübt die ganze Wahrnehmung wie eine falsche Art des Verstehens, es ist also eine subjektive Interpretation einer Situation, die aber objektiv falsch ist. Schwierig wird es bei falschen Wahrnehmungen, die auf den eigenen Erfahrungen beruhen. Man nimmt sie als wahr an, verhindert damit aber den Zugang zu einer neuen Sichtweise. Diese Sichtweisen oder eingefahrene Denk- und Handlungsweisen nennt man auch Samskaras, Avidya ist das Ergebnis davon.

Jede Situation neu betrachten

Das Erleben beschert ein entsprechendes Gefühl dazu. Wiederholt sich das Erleben und das Gefühl bestätigt sich, wird es als wahr empfunden. Zukünftig wird man immer wieder auf die gleiche Weise darauf reagieren. Natürlich bedeutet es einen Mehraufwand, Dinge jedes Mal wieder neu zu betrachten. Dafür lebt man das Leben aber nicht durch die Brille seiner Erinnerungen, sondern ist jeden Augenblick im Hier und Jetzt präsent.

Avidya im Alltag enttarnen

Täuschungen sitzen wir öfter auf, als wir denken. Ja, genau weil wir immer denken. So können wir Avidya im Alltag durch eine yogische Grundhaltung identifizieren: Statt zu denken, der Busfahrer ist aber unwirsch, könnten wir ihn freundlich fragen wie es ihm geht. Er wird sicherlich verdutzt sein, aber vielleicht erfahren wir, wie es ihm tatsächlich geht. Vielleicht war er nur mit den Gedanken woanders? Wünschen wir ihm noch einen schönen Tag, könnte es sein, dass er im weiteren Verlauf des Tages offener und fröhlicher ist. Was ist also daran wahr? War der Busfahrer wirklich unhöflich oder waren wir vielleicht nicht besonders freundlich zu ihm?

Lächeln für eine bessere Welt

Könnte man ihn mit einem Lächeln herzlicher stimmen? Also statt zu denken, könnte man einfach mal fragen. In diesem Zusammenhang wird gern aus Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ die Geschichte vom Hammer zitiert: Erwarte ich, dass mein Nachbar mir seinen Hammer nicht gibt und male mir aus, wie er sogar unhöflich wird, gehe ich schon mit dickem Hals zu ihm hinüber, um ihn dann nur noch zu beschimpfen: Behalten sie doch ihren verflixten Hammer! Mit Offenheit für die Situation und Gelassenheit wäre das nicht passiert.

Annette Bauer

Hinterlassen Sie einen Kommentar