Haltung, Geisteshaltung & Bhavana

Auf die Haltung kommt es an, sonst sind Yoga-Übungen nur Gymnastik. Die innere oder Geisteshaltung bestimmt dann, wie wir durch Leben gehen: Bhavana.

Was ist zuerst da: Henne oder Ei?

Jetzt verrate ich Ihnen mal was: Die eigene Einstellung wahrzunehmen und sich auf eine positive Geisteshaltung einzustimmen, bringt erst den tiefenwirksamen Effekt beim Yoga. Die Frage lautet: Wie gehe ich mit mir selber um? Bhavana steht für Geisteshaltung oder innere Einstellung und bedeutet „emotionaler Duft“. Man kann es auch mit Konzentration, Vorstellung, Hingabe und Glaube übersetzen, da es der yogischen Kontemplation und der Erzeugung von Visionen dient: Ich würde kein Yoga praktizieren, wenn ich nicht den Glauben hätte, dass es mir auf besondere Weise hilft. Natürlich benötige ich für meinen Rücken und die Gelenke Bewegungsübungen, aber das ist erst mal nur Gymnastik. Wertvoll werden die Asanas, wenn ich mich darauf einstimme, hinein spüre, wie es mir damit geht. Zusätzlich führe ich sie in Verbindung mit dem Atem aus und komme dadurch erst in eine tiefenentspannte Grundhaltung. Oder ist es genau umgekehrt? Das eine bedingt das andere, wie auch im Alltag.

Geisteshaltung: Bhavana

Bhavana ist also Vorstellung, wie es sein soll. Bevor ich irgendetwas beginne, versetze ich mich in Gedanken in die entsprechende Grundhaltung. Sie kennen das: Sie sind wütend, möchten denjenigen anschreien, der dafür zuständig ist. Der ist aber gerade nicht da. Entweder lassen Sie es an jemand anderes aus (schlechtes Karma), oder warten auf den „Richtigen“. Die Wut verraucht und Sie müssen sich dann erst wieder in die Stimmung versetzen, um dem anderen gründlich die Leviten zu lesen. Man könnte das natürlich auch freundlich regeln und erst mal annehmen, dass der andere es nicht willentlich verbockt hat (gutes Karma). Nun kann man das ja auch für eine positive Grundhaltung zum Leben insgesamt einsetzen. Bhavana bedeutet auch „bewirken“: Durch die entsprechende innere Haltung bewirken Sie das, was Ihnen entgegengebracht wird.

Haltung und die Resonanz im Alltag

Bhavana soll die Geistesentfaltung hin zu Gemütsruhe und Erkennen bewirken. Gemütsruhe entwickelt sich bei einer positiven Grundhaltung dem Leben gegenüber und schafft Klarheit: Vertrauen, Frieden und Freiheit können sich dadurch entwickeln. Eigentlich alles Schlagwörter um eine Partei zu bewerben. Aber damit treffen Werbeslogan ja auch genau den Nerv: Alle Menschen suchen Vertrauen, Frieden und Freiheit und Yoga bietet eine Anleitung dazu, nämlich Bhavana. Die Erkenntnisse, die man dabei gewinnt sind das Wissen um die Vergänglichkeit aller Wünsche und Dinge, um Tod und Wiedergeburt, Wahrheit und Reinheit. Beschäftigt man sich mit diesen Themen, begreift man wie wenig Angst man eigentlich haben muss. Das Leben ist schön, so wie es ist. Es wird erst anstrengend, wenn man es anders haben will, als es ist! Und eben vor jeder Handlung steht die innere Haltung. Der Gegenspieler dazu ist Vikalpa.

Sei nicht haltlos!

Eine körperliche Haltung drückt auch schon etwas aus und kann zur inneren Einstellung beitragen, schafft die Denkstruktur und ein entsprechendes Verhaltensmuster. So kann man an der Körpersprache manchmal schon ablesen, was in anderen Menschen vorgeht. Wirft sich einer in die Brust oder lässt die Schultern hängen, steht jemand aufrecht und einen Standpunkt? Auch die Sprache gibt über die Haltung Auskunft: Einen dicken Hals oder die Schnauze voll haben, dicke Luft ist im Büro, man könnte vor Freude Luftsprünge machen. Strahle ich oder blase ich Trübsal? So wird sich meine Haltung auf mein Umfeld durch die Gesetze der Resonanz auswirken. Bin ich haltlos, habe ich keinen Bezug zu meinem Innersten.

Haltung bewahren!

Die Haltung Ausdruck meines Seins. Sie zeigt, wie ich fühle, denke und handel, was meine Werte sind. Eine gute Aufrichtung in der Wirbelsäule erhält die Gelenke, Muskeln, Nerven und Organe gesund. Sie werden richtig versorgt. In einer krummen Haltung, regelmäßig eingenommen, werde ich krank. So einfach. Also ist es wichtig, die Muskeln, Bändern und Gelenke zu dehnen und zu bewegen, sie immer wieder in die Aus- und Aufrichtung, also in die für sie vorgesehene Haltung zu bringen. Wähle deine Haltung also sorgfältig – sie könnte dein Leben bestimmen! Wenn die Verantwortung für mein Handeln übernehme, bewahre ich mir so die Fähigkeit, in herausfordernden Situationen, äußerlich (und innerlich) die Ruhe zu bewahren. Wertschätzend bleiben, denn das soll das eigentliche Ziel sein: Ruhig bleiben im Angesicht des Sturms, ob ich eine gute oder schlechte Erfahrung mache. Das bedeutet nicht gleichgültig, sondern gleichmütig in dem Wissen, das alles entsteht und vergeht.

Annette Bauer

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