Kriyas: Die Renigungstechniken

Kriyas bedeutet Handlung oder Tat oder körperliche Reinigungstechniken im Hatha Yoga. Denn so wie Pranayama den Geist klärt und auf die Meditation vorbereitet, muss der Körper für Pranayama und die Verarbeitung der Energien vorbereitet durch die Kriyas werden.

Worum geht es körperlich?

Bei der Reinigung des Körpers geht es um die Anregung der Ausscheidungsvorgänge. Man verbessert dadurch nebenbei auch die Aufnahme und Verwertung der Nahrung durch die Organe und Verdauungssäfte. Erstmals genauer beschrieben wurden die Kriyas in der Hatha Yoga Pradipika: Es gibt sechs (shat) Haupt-Techniken; man nennt sie Shatkarmas. Der Reinigung des Körpers folgt die Reinigung des Geistes durch Enthaltung von Gewohnheiten, die die Sinne ablenken und den Geist verunreinigen. Erst dann können spirituelle Erfahrungen möglich werden. Kann ich mir gut vorstellen, führen doch einige dieser Techniken wie eine Rosskur in Grenzbereiche! In anderen Yoga-Traditionen stehen Kriyas allerdings für Übungsreihen zur Erweckung der Kundalini-Energie, sie haben nichts mit den Reinigungstechniken des Hatha-Yoga zu tun.

Kriyas: Die sechs Reinigungstechniken

Bekannter unter den sechs Kriyas sind sicherlich die Zungen- und Nasenreinigung. Wobei die Zungenreinigung nicht zu den klassischen sechs gezählt wird. Sie sind jedoch für jeden im Alltag leicht auszuführen: Bei der Nasenreinigung (Neti) spült man die Nase mit Salzwasser, bei der Zungenreinigung wird die Zunge abgeschabt. Zu den Shatkarmas zählen auch Augenübungen (Trataka), bei denen man verschiedene Objekte über einen längeren Zeitraum anblickt oder die Augen auf unterschiedliche Art bewegt. Die Atemwege und die Lunge reinigt man durch schnelles Atmen, die Feueratmung (Kapalabhati) und geht damit Übergewicht an. Dann kommen die drei Reinigungstechniken, die etwas für Kenner der Materie sind: Man reinigt den Magen und den oberen Darm durch Salzwassertrinken (Dhauti) und erbrechen, bewegt den Darm mit einer Übung (Nauli) und gönnt sich dann noch einen Einlauf (Basti). Ähnliches kann einem auch bei einer Panchakarma-Kur widerfahren.

Wozu Reinigungstechniken im Yoga?

Früher wollte man den Körper als Tempel rein halten. Man kann das auch als körperfeindlich ansehen im Gegensatz zur tantrischen Lehre, die den Körper und die darüber gemachten Erfahrungen eher feiert. Dennoch ist etwas dran an einem reinen Körper, den man benötigt, um zu einem reinen Geist zu gelangen. Das kennen Sie auch: Trinkt man Alkohol, ist der Geist nicht klar, Kaffee und Zigaretten regen an. Das tun auch Nahrungsmittel wie Zucker und Salz. Also ist eine Reinigung ein interessantes Experiment: Versuchen Sie doch mal drei Wochen lang auf Kaffee zu verzichten. Sie werden staunen, wie schwer es Ihnen fallen wird und wie ruhig Sie sich danach fühlen werden. Wenn Sie das ausprobieren, schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen, ich bin sehr gespannt darauf!

Annette Bauer

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