Loslassen – wie geht das?

Wie soll man loslassen, was man meint zu brauchen? Woher soll ich wissen, was sinnvoll losgelassen werden kann? Yoga hat Antworten!
Lesedauer: 6 Minuten

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Um weiterzukommen, musst du loslassen. Schön gesagt, aber wie geht das eigentlich?

Loslassen: Der Weg zu innerer Freiheit

Ob eine Reise, ein Einkauf oder ein Buch – wir bewerten alles ständig in unserer Gesellschaft. Das ist inzwischen so normal geworden, dass du dich gar nicht mehr fragst, ob das überhaupt sinnvoll ist. Ganz anders ist das im Buddhismus und anderen asiatischen Philosophien: Wenn du Bewertungen loslassen kannst, gewinnst du innere Freiheit.

Beobachten ohne zu bewerten

Alle Sinneseindrücke durchlaufen den Prozess der Beobachtung. Du siehst, die Sonne scheint. Dann interpretierst du: Es könnte sehr heiß werden. Nun kommt noch eine Bewertung obendrauf – du bewertest, wie dir das gefällt. Das findest du schön oder doof. Damit gibst du der Situation und dem Wetter, in diesem Fall sogar dem ganzen Tag, keine Möglichkeit, sich anders zu entwickeln.

Die Bewertung trennt dich vom eigentlichen Erleben des Moments komplett ab.

Das kannst du auf alles im Leben übertragen und landest so bei vorgefertigten Meinungen und Werturteilen. Natürlich musst du im Alltag manche Wertungen vornehmen: Welchen Wert hat ein Kauf? Welche Qualität weist die Arbeitsleistung auf? Die Bewertung von Personen und Situationen in den ersten Sekunden schneidet dich aber vom Ist-Zustand ab. Sie verhindert Offenheit, Kreativität und Freiheit.

Stell dir vor, du triffst eine neue Kollegin. Innerhalb von Sekunden hast du entschieden: „Die ist mir zu laut“ oder „Die sieht unfreundlich aus“. Damit verschließt du dich für alles, was diese Person dir zeigen könnte. Vielleicht ist sie nur nervös oder hat gerade einen schweren Tag. Du hörst ihre laute Stimme, spürst deine Abneigung aufsteigen und urteilst sofort. Die Chance, diese Frau wirklich kennenzulernen, hast du dir selbst verbaut.

Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti sagte: „Die höchste Form menschlicher Intelligenz besteht darin, zu beobachten ohne zu bewerten.“ Diese Worte zeigen dir einen Weg zu einem lebendigeren Leben. Wenn du beobachtest, was ist, ohne es sofort in „gut“ oder „schlecht“ einzuordnen, öffnest du dich für die Fülle des Augenblicks.

Die Suche nach Sinn

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie und der Existenzanalyse, erlebte die Schrecken des Konzentrationslagers am eigenen Leib. Während Sigmund Freud die Probleme seiner Patient*innen in der Psychoanalyse ausschließlich durch sexuelle Aspekte und Alfred Adler sie über den Drang zur Macht erklärte, sah Frankl etwas anderes. Er erkannte den Antrieb von Menschen in der Suche nach Sinn im Leben:

Jede*r von uns versucht zu verstehen, wie das Schicksal funktioniert und einen Sinn darin zu finden.

„Das Gewissen gehört zu den spezifisch menschlichen Phänomenen“, schrieb Frankl. „Es ließe sich definieren als die intuitive Fähigkeit, den einmaligen und einzigartigen Sinn, der in jeder Situation verborgen ist, aufzuspüren. Mit einem Wort: Das Gewissen ist ein Sinn-Organ.“ Für ihn war klar, dass man dem Menschen im Konzentrationslager alles nehmen kann, nur nicht die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen. Und es gibt immer ein „So oder So“: Du kannst wählen!

Diese Erkenntnis kannst du auf dein Leben übertragen.

Selbst in schwierigen Situationen – wenn dein Job dich nicht mehr erfüllt, wenn deine Kinder das Haus verlassen haben oder wenn eine Beziehung endet – behältst du die Freiheit zu wählen, wie du damit umgehst. Du kannst hadern und dich als Opfer fühlen oder du kannst dich fragen:

Was will mir diese Situation zeigen? Welcher Sinn verbirgt sich dahinter?

Eine meiner Teilnehmerinnen erzählte mir von ihrer Kündigung nach zwanzig Jahren im gleichen Unternehmen. Zuerst fühlte sie nur Wut und Verzweiflung. Sie bewertete die Situation als „ungerecht“ und „katastrophal“. Erst als sie begann, die Bewertungen loszulassen und zu fragen: Was könnte das Positive in diesem Moment sein?, eröffneten sich neue Perspektiven: Sie hörte plötzlich die Vögel vor ihrem Fenster, spürte die Erleichterung in ihrem Körper und sah die Möglichkeiten, die vor ihr lagen.

Wie du Bewertungen ihre Macht nimmst

Loslassen ist wichtig für ein Leben im Einklang mit den eigenen und den kosmischen schöpferischen Energien. Gelangst du in Flow, kannst du ein wirklich lebendiges Leben führen. Durch Festhalten erstarrt das Leben, denn alles ist vergänglich und im stetigen Wandel. Festhalten hat keinen Sinn.

Wenn du nun beginnst, die Bewertungen wahrzunehmen, die dir andauernd durch den Kopf schießen, erschaffst du eine Pause, einen Abstand, eine Lücke zwischen den Gedanken und Bewertungen. Das ist der erste Schritt.

Übst du das regelmäßig, wirst du immer häufiger in der Lage sein, Abstand zu gewinnen. So nimmst du den Bewertungen ihre Macht.

Stattdessen kannst du dich verbinden mit dem, was ist. Eine Technik zur Verbindung mit dir selbst und dem Leben stellt Yoga dar. Du gehst von der Zweiheit zur Einheit und erkennst, dass wir alle miteinander verbunden sind. Die Identifikation mit dem Ego oder den Dingen um dich herum tritt in den Hintergrund und ermöglicht einen Freiraum, ja sogar die eigentliche Freiheit.

Gefühle kontrollieren lernen

Oft hängst du alten Geschichten, Gedanken und Gefühlen nach. Du kannst dir nicht vorstellen, ohne sie zu sein. Das fällt bei Gewohnheiten genauso schwer wie dich von einem Menschen zu trennen oder den Job zu kündigen, der dir nicht mehr gut tut. Du weißt insgeheim, dass du es tun solltest. Trotzdem hältst du fest.

Man kann sich dazu entscheiden, ein Gefühl loszulassen. Das ist eigentlich so einfach wie einen Gegenstand aus der Hand fallen zu lassen. Im Yoga nutzen wir die Möglichkeit, über eine Meditation genau hinzuschauen und die Situation mit Abstand zu betrachten.

Welche anderen Sichtweisen werden dadurch möglich?

Du kannst dich darüber selbst befragen und das Loslassen lernen. Das führt zu Selbstermächtigung, da du deinen Gefühlen nicht mehr ausgeliefert bist.

Befrag dich selbst

Wie fühlst du dich gerade? Heiße das Gefühl willkommen. Ist es Wut oder Traurigkeit, dann fällt das nicht so leicht. Es möchte dir aber etwas mitteilen oder dich vor etwas schützen. Das kannst du würdigen, wie einen guten Freund. „Danke, dass du dich mir zeigst.“ In dem Moment nimmst du das Gefühl nicht nur wahr, sondern hast die Chance, es anzunehmen. Das ist besser für dich, als deine ganze Energie in den Kampf dagegen zu stecken.

Könntest du es loslassen?

Und wovor hast du eigentlich solche Angst?

Gefühle bestimmen deine Lebensentscheidungen. Da solltest du dir doch eine Strategie überlegen, wie du loslassen kannst, oder? Erst wenn sich der Leidensdruck erhöht, beginnst du nach anderen Wegen und Möglichkeiten zu suchen. Du kannst nicht mehr so weitermachen wie bisher, der Zusammenbruch steht bevor oder ist bereits eingetreten. In dieser Situation bist du bereit, Verhaltensweisen loszulassen und umzudenken.

Erst mein Bandscheibenvorfall hat mich gelehrt, entspannter zu werden, mich dem Tempo anzupassen, statt immer vorne wegzupreschen. Mir hat eine angemessene Yoga-Praxis dabei sehr geholfen, mich geheilt und von altem Ballast befreit. Erfolgsdruck, Perfektion und dabei alle Herausforderungen bewältigen zu wollen, was sich dir stellt, ist nicht gesund. Besser, du findest eine geeignete Form der Entspannung wie beispielsweise Yoga. Wichtig sind Gleichgesinnte und du holst dir Unterstützung bei anderen, die Ähnliches erlebt haben.

Du hast es vielleicht schon mal gehört: „Niemand ist eine Insel!“

Praktische Strategien für den Alltag

Wenn es Streit gibt, kannst du aus der Situation rausgehen. Du musst dazu nicht den Raum verlassen, obwohl das manchmal die beste Lösung wäre. Du kannst dich einfach für ein paar Atemzüge umdrehen oder aus dem Fenster gucken. Wenn du es aushältst, schaust du dein Gegenüber direkt in die Augen und schweigst etwa eine Minute lang. Alles ist hilfreich, was die aufgeschaukelte Situation unterbricht.

Oder du machst etwas anderes Ungewöhnliches, das allen die Unsinnigkeit des Streits in Erinnerung ruft. Ein Freund sagt gern etwas Absurdes von Loriot. Dann muss ich lachen und wir können normal weiterreden. Als wäre nichts gewesen! Rückblickend ist es meist ein Streit über eine Nichtigkeit. Wenn du wieder im Flow bist, stellt sich ganz von alleine Leichtigkeit, Entspannung und Freude ein: ein Fließen wie im Spiel oder bei einer wirklich spannenden Arbeit.

Der Top-Manager Erhard Meyer-Galow beschrieb es so:

„Du stehst mit deinem Gewicht auf einem Bein. Willst du weitergehen, musst du dieses Bein loslassen und auf das andere vertrauen, dass es dich hält. Und dann weiter so, Schritt für Schritt. Das Gehen ist also immer ein Loslassen und Vertrauen auf die Hilfe des anderen Beines.“

Wenn du das auf andere Situationen überträgst, wirst du achtsamer und lernst den Augenblick wahrzunehmen.

Beobachte dich morgen beim Aufstehen. Du liegst im Bett, warm und gemütlich. Um aufzustehen, musst du diese Wärme und Bequemlichkeit loslassen. Du vertraust darauf, dass der Tag dich trägt. So funktioniert jede Bewegung in deinem Leben. Jeder Schritt ist ein kleines Loslassen und ein neues Vertrauen.

Der yogische Weg zu innerem Frieden

Loslassen macht dich offener, freier und ganz präsent im Tun. Es sind ja bloß Gefühle, die meistens aus Gedanken entstanden sind. Der Geist gaukelt dir etwas vor. Mach es doch wieder wie die Kinder: Lachen, tanzen, schreien und Purzelbäume drehen. Aber verletze dich nicht dabei! Das Ego hat Pause von allen Zerstreuungen im Außen und Frieden stellt sich ein, indem du dir deine Handlungen genau überlegst.

Durch Meditation erschließt du dir neue Erfahrungsräume und kannst eins werden mit einem Zustand oder Gefühl. Die Verbindung mit dem Gefühl ist nicht nur Achtsamkeit oder Beobachten, sondern Gewahrsein. Eine andere Art der Wertschätzung wird möglich – du be- und verurteilst auch andere nicht mehr. Lass am Ende des Tages los und genieße den Augenblick. Eine echte Spiritualität wird erfahrbar.

Wem nützt dein Handeln, wem könnte es schaden?

Schlechtes Karma wird durch gutes ersetzt und deine Handlungen sollten immer dem Besten aller Beteiligten dienen. Solange wir uns als getrennt von anderen empfinden, hört sich das merkwürdig an. Wir bevölkern aber alle den gleichen Planeten und sollten dafür Sorge tragen, dass es allen gut geht. So wird es auch dir selbst gut gehen. Schadest du anderen, fällt es immer auf dich zurück.

Wir leben im Zeitalter der Verantwortung, auch wenn es viele noch nicht wissen. Wie die Kinder haben wir als Menschheit vieles ausprobiert. Jetzt ist es Zeit, sich der Verantwortung zu stellen, da wir alle Zellen eines Organismus sind. Hören wir auf, andere zu verletzen und zu quälen! Wenn du beginnst, deine Bewertungen loszulassen, beginnst du auch, dich selbst und andere mit mehr Mitgefühl zu betrachten. Das ist der Kern einer wirklich befreienden Praxis.

Manchmal hältst du etwas fest, das dir nicht mehr nützt oder sogar schadet. Das zu erkennen hilft beim Loslassen. Im persönlichen Gespräch können wir deine Fragen klären und gemeinsam schauen, wo du festhältst und was du loslassen möchtest. Nimm Kontakt mit mir auf, wenn du bereit bist, diesen Weg zu gehen.

  • Viktor E. Frankl: „… trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“
  • Erhard Meyer-Galow: „Leben im Goldenen Wind“, Zitat aus der Zeitschrift KGS-Berlin, Dezember 2015

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Hallo, ich bin Annette

Ich bin Berlinerin und war 25 Jahre als Layouterin und Redak­teurin tätig. In den letzten Jahren im Job war ich kurz vorm Burnout und wurde dann ent­lassen. Auch privat habe ich Schick­sals­schläge erleben müssen.

Dabei hilft mir seit über 30 Jahren unter anderem eine regelmäßige Yoga-Praxis.

Andere Menschen begleite ich als Heil­prakti­kerin mit einer ressour­cenorien­tiert, systemisch oder mit einer Trauma­therapie.

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