Yoga & Taoismus für Leichtigkeit und Freude

Lesedauer 6 Minuten

Taoismus (Tao Te-King) ist für mich eine Herzensangelegenheit. Er passt für mich hervorragend zur Yoga-Philosophie!

Die Essenz des Tao – Mehr als nur ein Konzept

Schon mal vom Tao gehört? Es ist das chinesische Konzept für einen tiefen Einblick in das Wesen des Lebens. Das Tao, oder auch Dao, ist keine Religion, sondern eine Lebensphilosophie, die ihre Wurzeln im Taoismus hat. Stell es dir vor wie einen unsichtbaren Fluss des Universums, der alles durchströmt und miteinander verbindet. Es ist nicht greifbar, und doch wirkt es in jedem Aspekt des Lebens. Tao ist nicht dogmatisch; es ist eine Lebenseinstellung, die uns lehrt, mit dem Fluss des Lebens zu gehen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Stell dir vor, du bist ein Blatt, und treibst auf der Oberfläche eines ruhigen Flusses. Das Tao ist der Strom, der dich sanft trägt. Du kannst dich dem Fluss hingeben und mit Leichtigkeit vorankommen, oder du kannst dich dagegen stemmen und dich anstrengen, wobei das Leben eine ständige Herausforderung wird. Das Tao lehrt uns, die natürliche Ordnung der Dinge zu akzeptieren und im Einklang mit ihr zu leben.

Die Ruhe und das Getragensein – Leichtigkeit und Freude

Yoga und das Tao teilen eine tiefe Verbindung zu philosophischen Prinzipien, die das tägliche Leben bereichern können. Beide betonen die Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele. Während Yoga aus der indischen Tradition stammt und körperliche Praktiken wie Asanas und Pranayama umfasst, konzentriert sich das Tao mehr auf den energetischen Fluss im Universum und wie er sich auf das innere Gleichgewicht auswirkt. Trotz der unterschiedlichen geografischen und kulturellen Wurzeln teilen sie das gemeinsame Ziel, das Bewusstsein zu erweitern und eine tiefere Verbindung zum Selbst und zur Welt herzustellen.

Stell dir vor, du führst auf deiner Yogamatte sanfte Bewegungen durch und spürst, wie sich dein Körper mit dem Atem verbindet. Du kommst dadurch in einen Zustand der inneren Ruhe. Gleichzeitig denkst du an das Tao – den unsichtbaren Fluss, der dich trägt. Beide Praktiken ergänzen sich auf subtile Weise, um eine ganzheitliche Erfahrung zu schaffen: Die Ruhe und das Getragen-sein.

Sich dem natürlichen Rhythmus hingeben

Wie kann das Tao, dieses abstrakte Konzept, in deinem Alltag nützlich sein? Nun, stell dir vor, du gehst durch einen belebten Markt. Anstatt dich von der Hektik mitreißen zu lassen, erinnerst du dich an das Tao. Du wirst wie ein Blatt auf dem Fluss, flexibel und anpassungsfähig. Anstatt dich gegen die Menschenmenge zu stemmen, gehst du mit dem Fluss, findest Leichtigkeit im Chaos. Wenn du schon mal in Asien warst, weißt du, dass es hervorragend funktioniert. Denn alle sind auf genau diese Weise achtsam, keiner rempelt dich an – wie in unseren Großstädten (zumindest in Berlin).

Das Tao lehrt dich, nicht nach Kontrolle zu streben, sondern dich dem natürlichen Rhythmus des Lebens hinzugeben: Es ist ein Leitfaden für Harmonie im alltäglichen Chaos. Anstatt dich gegen die Unvorhersehbarkeiten zu stemmen, lernst du, dich ihnen mit einer gelassenen Akzeptanz zu öffnen. Schau dir die gestressten Menschen um dich herum an. Doch du gehst jetzt anders über diesen Markt. Du bewegst dich mit einer Leichtigkeit, findest Freiheit in der Flexibilität, Frieden im Chaos und Harmonie im ständigen Wandel – in diesem ganzen Durcheinander!

Yoga & Tao bieten dir Führung im Alltag: Loslassen lernen

Das Tao im Alltag ist wie eine unsichtbare Hand, die dich sanft führt, wenn du dich dafür öffnest. Es ist die Kunst, im Sturm der Verpflichtungen und Anforderungen ruhig zu bleiben. Denk an einen Tag, an dem alles schief zu gehen scheint. Statt dich zu stressen, erinnerst du dich an das Tao. Du atmest tief ein und aus, lässt dich vom Fluss des Lebens tragen. Plötzlich werden die Herausforderungen zu Chancen, und du findest Wege, mit Leichtigkeit durch den Tag zu surfen.

Das ist nicht nur eine abstrakte Idee: Es ist ein lebendiges Prinzip, das dir ermöglicht, im Einklang mit dem Leben zu tanzen. Es ist die Fähigkeit, die Kontrolle loszulassen und den natürlichen Fluss zu spüren. Indem du dich dem Tao öffnest, gestaltest du deinen Alltag mit einer neuen Perspektive. Dieser unsichtbare Begleiter bringt dir bei, dass wahre Kontrolle nicht im Festhalten, sondern im Loslassen liegt. Das ist echt stark, oder?

Tao in der Krise – Ein Weg zur Heilung

Kommen wir zu einer ernsteren Note. Wie kann dir das Tao in einer Krisen helfen? Denk an einen Sturm, der über das Meer zieht. Das Tao lehrt, inmitten des Chaos ruhig zu bleiben. Es ist wie ein innerer Anker, der uns in schweren Zeiten stabilisiert. Du Kannst nicht den Sturm kontrollieren, aber du kannst lernen, mit den Wellen zu tanzen. Auch wieder geht es um die Kunst, im Zentrum des Chaos inneren Frieden zu finden.

In der Praxis kann das bedeuten, dass du in schwierigen Momenten bewusst den Atem lenkst und die Gewissheit findest, dass alles, einschließlich Schmerz und Leid, vorübergeht. In der daoistischen Philosophie geht es nicht darum, den Schmerz zu verleugnen oder die Dunkelheit zu bekämpfen. Im Gegenteil, es geht darum, die Dunkelheit zu akzeptieren, sie anzuerkennen und gleichzeitig im Licht der Hoffnung zu verweilen. Denk an einen Moment der Krise, wenn alles zu kollabieren scheint. Das Tao lehrt uns, nicht gegen den Strom anzukämpfen, sondern bewusst den Atem zu lenken, in die Tiefe zu gehen und die Gewissheit zu finden, dass dieser Moment vorübergeht.

Leichtigkeit: Das Sinnbild des biegsamen Bambus

Im Taoismus werden oft natürliche Metaphern verwendet, um Weisheiten zu vermitteln. Eine davon ist die Biegsamkeit des Bambus und die Weisheit des Wasser:

Schau dir die Natur an – einen Baum im Sturm. Er beugt sich, tanzt mit dem Wind, anstatt zu brechen. Das Tao ermutigt dich, ebenso flexibel zu sein, dich den Herausforderungen zu beugen, ohne dabei deine innere Stabilität zu verlieren. Inmitten des Sturms der Emotionen eröffnet sich dir ein Raum der Gelassenheit. Das sind wir wieder bei einem erklärten Ziel des Buddhismus und des Yoga. Der Kreis schließt sich.

In der Praxis lenkst du bewusst den Atem, nimmst dir Zeit für Achtsamkeit und Meditation. Es bedeutet auch nicht, die Realität zu leugnen, sondern einen Weg zu finden, durch sie hindurchzugehen. Stell dir eine Situation vor, in der du traurig bist: Das Tao eröffnet dir damit einen Raum der Sanftheit, in dem du die Traurigkeit zulassen kannst, ohne von ihr verschlungen zu werden. Da darfst du, da darf deine Trauer sein. Und wenn sie einen Moment sein durfte, kann sie sich entspannen. Du kannst dich entspannen: denn du erinnerst dich, dass selbst in der tiefsten Krise ein Funke Hoffnung glimmt. Die Praxis des Tao kann in der Bearbeitung von Traumata eine transformative Reise sein, in der wir nicht nur durch die Dunkelheit gehen, sondern auch gestärkt und geheilt ans Licht zurückkehren.

Die Kunst der Anpassung

Beide Symbole repräsentieren die Fähigkeit, sich den Herausforderungen des Lebens anzupassen, flexibel zu bleiben und dabei den eigenen Weg zu finden. Das Tao lehrt dich auch, wie du wie das Wasser werden kannst, das geschickt Probleme umfließt und dabei seine Kraft behält. Die Botschaft “Sei wie das Wasser” ist tief im Taoismus verwurzelt und bei uns bekannt geworden durch Bruce Lee: “Be water, my friend”, sei Wasser, mein Freund!

Wasser ist weich und kann auch unglaublich kraftvoll sein. Denk an einen Bach, der sich geschmeidig durch Felsen schlängelt, oder Überschwemmungskatastrophen! Das Tao lehrt uns, dass in der Anpassung die wahre Stärke liegt. Indem du dich den Gegebenheiten des Lebens geschmeidig und leicht anpasst, bewahrst du dir diese viel beschworene innere Ruhe und Stabilität. Das macht Freude!

  1. Achtsamkeit im Atem: Eine grundlegende Übung im Taoismus ist die Achtsamkeit im Atem. Stell dir vor, du atmest wie das sanfte Fließen eines Flusses. In schwierigen Situationen kannst du damit ruhig zu bleiben und den Atem als Anker zu nutzen.  Du umfließt den Stress.
  2. Der Tanz des Lebens Tai Chi, eine traditionelle daoistische Kampfkunst, verkörpert die fließenden Bewegungen des Wassers. Die Praxis gibt dir Leichtigkeit, macht dich geschmeidig zwischen Angriffen und Herausforderungen zu tanzen, wie das Wasser, das um Hindernisse drumherum fließt. Die kontinuierlichen, kreisenden Bewegungen fördern die Flexibilität des Geistes und des Körpers.
  3. Meditation: Ruhe im Sturm: Die daoistische Meditation hilft, die innere Stabilität zu bewahren. Stell dir vor, wie sich dein Geist wie der flexible Bambus mitschwingt  ohne in eine Richtung zu kippen. Oder das Wasser: Es gibt vielleicht eine gekräuselte Oberfläche, bleibt in der Tiefe jedoch ruhig und unberührt. Die Meditation lehrt uns, trotz äußerer Turbulenzen einen ruhigen inneren Raum zu bewahren.
  4. Die Energie des Flusses: Qi Gong, eine weitere daoistische Praxis, betont die Lenkung der Lebensenergie (Qi) durch den Körper. Wie Wasser, das seinen Weg findet, fließt das Qi geschmeidig durch die Energiebahnen. Diese Übung fördert nicht nur die körperliche Flexibilität, sondern auch die Anpassungsfähigkeit des Geistes gegenüber den Unwägbarkeiten des Lebens. Genau wie im Yoga die Widerstandskraft gefördert wird.
  5. Die Führung des Wassers: Das I Ging, ein altes daoistisches Orakel, verwendet Wind- und Wassermetaphern, um Ratschläge zu geben. Eine der Grundlagen ist, wie das Wasser den Weg des geringsten Widerstands findet. Es lehrt uns, klug und geschickt mit den Strömungen des Lebens umzugehen, anstatt gegen sie anzukämpfen. Durch die Anwendung der Weisheiten des I Ging kannst du lernen, wie das Wasser zu navigieren.

Bücher für Freude & Leichtigkeit

  • “Ändere deine Gedanken – und dein Leben ändert sich: Die lebendige Weisheit des Tao” von Wayne Dyer

Dieses Buch von Wayne Dyer erkundet die Prinzipien des Taoismus und zeigt, wie du die Ideen in das tägliche Leben integrieren kann. Das I Ging hat “nur” 81 Sätze und zu jedem hat Wayne Dyer ein wirklich gutes Essay geschrieben. Die nicht gerade verständlichen Weisheiten werden ganz wunderbar locker vermittelt.

  • “Tao Te Puh. Das Buch vom Tao und von Puh dem Bären” von Benjamin Hoff

So muss Pu gemeint gewesen sein: als ein Bär, der nichts vom Tao weiß und es trotzdem lebt. Eines meiner Lieblingsbücher. Benjamin Hoff schafft es, einfache und verständliche die Grundeinstellung des Taoismus zu erläutern. Das Buch ist mit einer daoistischen Leichtigkeit geschrieben.

  • “Das I Ging: Die Weisheit des Wandels” von Richard Wilhelm

Ein Klassiker: Richard Wilhelm, ein deutscher Sinologe, bietet in diesem Buch eine umfassende Einführung in das I Ging, ein daoistisches Orakel, das oft die Symbolik des Wassers verwendet. Er hat 11 Jahre an dieser Übersetzung gearbeitet. sehr fundiert! Er erklärt, wie man das I Ging nutzen kann, um klug und geschickt mit den Veränderungen des Lebens umzugehen und wie das Wasser den Weg des geringsten Widerstands findet.

Hast du Fragen? Schreib mir gern etwas in den Kommentar oder buche einen kostenlosen Zoomcall. Jetzt buchen!

Annette Bauer

Hinterlass bitte hier deinen Kommentar